Bővebb ismertető
Zur Einführung
Nichts ist schöner und lehrreicher, als Forschungsreisen in die Sprache.
Mechtilde Lichnowsky^
Es wird wohl der ägyptische König Psammetich 1. sein, ein Herrscher des 7. vorchristlichen Jahrhunderts, der mit dem Ruhm in die Geschichte eingeht, als erster die menschliche Sprache erforscht zu haben. Wie der griechische Historienschreiber Herodot überliefert, ließ er zwei neugeborene Kinder in aller Einsamkeit von einem Hirten aufziehen, ohne daß ein Wort mit ihnen gewechselt werden durfte - eine geradezu experimentelle Situation, um zu erfahren, welche Sprache sie wohl sprächen. Nach zwei Jahren war es soweit, sie riefen eines Tages: BekoSy bekos! Man fand heraus, daß dieses Wort in der phrygischen Sprache für „Bi'Ot" verwendet werde, und so galt dem wißbegierigen Pharao das Phrygische als älteste Sprache der Menschheit.^ Was an diesem berühmten, später mehrmals nachgeahmten Sprachexperiment bemerkenswert erscheint: Von Anfang an und durch die ganze Weltgeschichte hin besteht offenbar ein außerordentliches Interesse der Menschen an ihrer Sprache.
Vor allem sind es die Wörter, die vielerlei verraten. Etymologie {etymologia^ wörtlich die „Lehre vom Wahren") nennt sich mit einem Fachausdruck, den schon die alten Griechen vor fast drei Jahrtausenden dafür geprägt haben, jene sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit der ursprünglichen Herkunft und Sinndeutung der Wörter befaßt. Im Grunde ist diese so alt wie die Menschheit, entspricht sie doch einem allgemeinen „Urinstinkt des Menschen", wie ein Etymologe feststellt.^ Dieselbe zutiefst menschliche Neugier, die einst Adam und Eva im Paradies zum Verhängnis wurde, läßt uns auch heute noch fragen, was denn dieses oder jenes Wort eigentlich bedeute - das „eigentlich" ist ein untrügliches Indiz der etymologischen Fragestellung.