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Pimbusch
Der Regionalexpress vom Berliner Hauptbahnhof nach Löwenberg benötigt 38 Minuten. Er fährt dann weiter über Neustrelitz nach Stralsund. Nicht anders vor dem Ersten Weltkrieg der D-Zug vom Stettiner Bahnhof, angetrieben von einer Lokomotive der Baureihe P 8, die damals eine Höchstgeschwindigkeit von hundert Stundenkilometern erreichen konnte. D-Züge waren sogenannte Durchgangszüge und standen für einen 1891 von der preußischen Staatsbahn eingeführten revolutionären Wagentypus, der die Vorteile des amerikanischen Großraumwagens mit der gewohnten europäischen Abteilanordnung zu verbinden wusste. Jedes Abteil konnte man nun vom Wageninneren über einen Seitengang erreichen und dank eines Faltenbalgs am Wagenende den ganzen Zug durchlaufen.
In einem solchen Durchgangszug saßen im August 1911 die Medizinstudentin Else Weil und der Jurastudent Kurt Tucholsky auf einem Ausflug nach Rheinsberg im Ruppiner Land. »Seinen eigentlichen Anfang nahm das Abenteuer erst, als sie in Löwenberg ausstiegen. Der D-Zug ruhte lang und dunkel in der Halle unter dem Holzdach« - mit dieser Passage beginnt Tucholskys Erstlingswerk Rheinsberg, das ihn berühmt machen sollte und heute noch zu seinen beliebtesten Büchern zählt. Es war im Staatsbahnhof - der kleine Ort Löwenberg verfügte auch über einen Privatbahnhof—, und man musste den Zug wechseln.
Das Holzdach existiert nicht mehr, aber das verwitterte Ziegelgebäude des Bahnhofs umgibt immer noch die Patina jener Zeiten. Der alte Wasserturm, aus dem die P 8 mit frischem Nachschub versorgt werden musste, hat überlebt. Auch