Bővebb ismertető
Vorwort
Geboren in einer Zeit gewaltsamer Umwälzungen auf unserem Kontinent, die meine Familie aus festgefügten Fundamenten rissen, war diese Entwurzelung für uns durch den grotesken Umstand gekennzeichnet, daß wir im Lauf der Jahre in höchst legaler Weise fünf Pässe verschiedener Nationalitäten besaßen.
Meine Kindheit war ein Teil des Lebens unserer Eltern, für die der Verlust ihres Landes eine Art Amputation bedeutete, die uns hinderte, sich wichtig zu nehmen und gedankenlos oder unbesonnen zu sein. Um so mehr warteten wir mit Ungeduld auf den Beginn des eigenen Lebens. Es waren aber nicht die frühen, oft so schwierigen Jahre der Emigration, die in unseren Herzen eine Narbe hinterließen, sondern der Zweite Weltkrieg.
Den Ausführungen über die Kriegszeit liegen Tagebücher und Notizen aus den Jahren 1939 bis 1945 zugrunde; sie stellen den Versuch dar, meinen ganz persönlichen Eindruck der damaligen Zustände und Stimmungen in Deutschland wiederzugeben.
Das Leben in einer Diktatur ist für Menschen, die nur die Demokratie kennen, kaum zu begreifen; wir hingegen haben in den Jahren des Nationalsozialismus gelernt, die verschiedenen Existenzmöglichkeiten in totalitären Staaten zu verstehen. Sind einmal die grundlegenden Prinzipien der Moral und des Gesetzes aufgehoben, wird es beinahe unmöglich, aus dem ganzen Gefüge von Unrecht auszubrechen, denn dann ist niemand mehr frei von Furcht. Nach der Französischen Revolution erschienen diejenigen, die überlebt hatten, den zurückkehrenden Emigranten verdächtig. Als die Alliierten mit dem Gegensatz zwischen den Konzentrationslagern und dem normalen Alltagsleben der Deutschen konfrontiert wurden, neigten sie zu einer ähnlichen Ansicht.
Wir hatten im Lauf der langen Kriegsjahre erkannt, daß man mit dem Grauen auf die Dauer nicht leben kann; nach jedem Schicksalsschlag gewinnt der Alltag sofort wieder die Oberhand. Wenn sich nicht jeder Mensch eine eigene Zuflucht schafft, die oft nur in einer Art innerer Emigration besteht, geht er im Sog