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Zum Geleit
Im Frühjahr 1970 konstituierte sich ein deutsch-belgisches Komitee zur wissenschaftlichen und organisatorischen Erarbeitung der Ausstellung »Rhein und Maas Kunst und Kultur 800-1400«. Auf deutscher Seite fiel die Aufgabe dem Schnütgen-Museum der Stadt Köln zu, auf belgischer den Ministerien für französische und niederländische Kultur. Seit Beginn der fünfziger Jahre, als Jean Lejeune und Hermann Schnitzler die ersten Initiativen zu diesem Unternehmen ergriffen hatten, stand der endgültige Termin im »Gemischten Ausschuß für die Anwendung des deutsch-belgischen Kulturabkommens« immer wieder auf der Tagesordnung, bei der Caspar Verecken und Hermann Schnitzler stets auf dieses Traktandum zurückzukommen wu8ten. Daß sich nunmehr das Vorhaben in Köln und Brüssel realisieren läßt, danken wir dem großen Entschluß des Rates der Stadl Köln und der genannten belgischen Ministerien, danken wir dem freisinnigen Einsatz und der ausgezeichneten Erfahrung vieler, Von Mai bis Oktober 1972 zeigen zunächst Köln, dann Brüssel die Begegnung rheinischer und mosaner Kunst und die Verflochtenheit der Kultur zwischen Rhein und Maas - einzigartig in der Bedeutsamkeit der an beiden Stätten versammelten Kunstwerke.
Schon frühzeitig hatten die Musées royaux d'Art et d'Histoire und das Schnütgen-Museum beschlossen, ihre Bestände auszutauschen. Damit war ein wesentlicher Grundstock geschaffen. Nachdem die Domkapitel von Köln. Trier, Aachen und Essen, die Besitzer der Schreine der hll. Heribert, Anno, Maurinus und Albinus und nachdem das Germanische Nationalmuseum das Einverständnis zur Entleihung ihres kostbarsten Gutes gegeben hatten, konnten wir uns in der Folge bereits auf ein Leihgabenverzeichnis von großem Gewicht und Inhalt berufen. Die weiterhin angesprochenen Leihgeber antworteten mit der Generosität der zuvor Genannten. Der Tag der Zusage des Lütticher Taufbeckens gehört unter die denkwürdigsten in der bewegten Vorgeschichte dieser Ausstellung. Daß Tournai den Marien- und Eleutheriusschrein, Lüttich. Namur und auch Maastricht ihre hervorragendsten Zimelien ausleihen würden, hatten wir zwar gehofft, doch kaum erwartet. Den 158 Leihgebern aus elf europäischen Ländern gebührt für das hohe Maß an Verständnis und Bereitwilligkeit unser größter Dank.
Die Finanzierung übernahmen in der Bundesrepublik die Stadt Köln, das Auswärtige Amt, der Westdeutsche Rundfunk und der Landschaftsverband Rheinland, in Belgien die Ministerien für französische und niederländische Kultur. Dankbar sind wir uns dieses Mäzenatentums bewußt, auch dessen von privater Seite und von Industriefirmen, die das Vorhaben unterstützten, um den Veranstaltern zur Präsentation im vorgesehenen Stil zu verhelfen.
Ermöglicht wurde die Ausstellung in der Kölner Kunsthalle - in dankbarer Verbundenheit sei dies vermerkt - durch die Sorge und die Förderung, die der Kölner Kulturdezernent Kurt Hackenberg und der Generaldirektor der Kölner Museen, Gert von der Osten, dem Projekt stets entgegenbrachten. Während der Vorbereitungen hatten sich drei Aktionszentren herauskristallisiert. Ein erstes lag im Schnütgen-Museum. Das Engagement von Anton von Euw und von Joachim M. Plotzek im wissenschaftlichen Bereich, die Aktivität des Architekten Lothar Hennig und die Verwaltungskunst von Bernd DIemer haben an der Verwirklichung der Ausstellung in der Kölner Kunsthalle maßgeblichen Anteil.
Das zweite Aktionszentrum lag im belgischen Ministerium für französische Kultur in Brüssel beim Chef du Service de la Propagande artistique. Francis De Lulle, der in Zusammenarbeit mit Cathérine De Croës und seinem flämischen Kollegen Paul Delmotte den belgischen Anteil besorgte. Die Übernahme der Ausstellung aus Köln und ihre Brüsseler Variante bereitete René De Roo mit dem wissenschaftlichen und technischen Stab der Musées royaux d'Art et d'Histoire vor. Ein drittes Aktionszentrum bildete sich in Lüttich, von wo aus Jacques Stiennon die wissenschaftliche Arbeit des belgischen Komitees steuerte und die Hauptlast zu tragen hatte. Wir wissen, was die Ausstellung darüber hinaus dem souveränen Wirken von Mme Rita Lejeune, dem Einsatz von Jacques Stiennon und nicht minder dem großen Wohlwollen von Jean Lejeune verdankt. Zwischen den drei Aktionszentren und dem deutschbelgischen Komitee herrschte ein reger Verkehr und lebhafter Gedankenaustausch über Rhein und Maas. Stätten der Begegnung waren am häufigsten in Köln das Schnütgen-Museum und in dessen Nachbarschaft das Belgische Haus, wo der Kulturattaché der belgischen Botschaft. Adelin De Buck, das Scharnier des Diptychons »Rhein und Maas« bildete. In Lüttich war der bevorzugte Treffpunkt das Service d'Histoire de l'Art et d'Archéologie du Moyen Age de l'Université de Liege und in Brüssel die Avenue de Cortenberg 158. Uns will scheinen, daß dieser Gedankenaustausch zwischen Lüttich, Brüssel und Köln nicht ohne Resonanz geblieben ist.
Den Angehörigen des belgisch-deutschen Komitees für Wissenschaft und Organisation aber, den wissenschaftlichen Bearbeitern der großen Materialgruppen und allen, die zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen haben und deren Namen in diesem Katalog verzeichnet stehen, sagen wir unseren herzlichsten Dank. Anton Legner Georges-Henri Dumont