Bővebb ismertető
Einleitung
Es ist schwierig, über die Vergangenheit zu schreiben, die wir Geschichte nennen — aus dem einen oifenkundigen Grunde nämlich: wir haben sie nicht aus erster Hand miterlebt. Über Musik zu schreiben nun ist ebenso diffizil; denn wenngleich wir an ihr unmittelbar teilhaben können, zwingt uns der reine Vorgang des Schreibens, Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Sprache der Musik in ein anderes Idiom zu übertragen. Über Geschichte und Musik zugleich zu schreiben, ist daher eine Aufgabe, die mit Umsicht und Bescheidenheit in Angriff genommen werden muß. Weder reicht es aus, ein wenig europäische Geschichte zusammenzuraffen und hernach musikalische Parallelen zu ziehen, noch ist es angemessen, über Musik zu schreiben, als könne sie ohne Zusammenhang mit dem menschlichen Leben ganz für sich allein existieren.
Als geschichtlicher Erscheinung kann man sich der Musik jedoch kaum nähern, solange man sich nicht mit einer grundlegenden Frage auseinandergesetzt hat: wenn nämlich Musik, genau wie die Sprache, Erlebnis- und Erfahrungswerte vermittelt, was für eine Art Sprache ist sie dann? Die Sprache der Dichtung entspricht im wesentlichen jenem gewöhnlichen Medium, vermittels dessen sich menschliche Wesen untereinander verständigen — wenn auch der Dichter die Wörter mit einer Genauigkeit, Überzeugungskraft und Spannweite gebraucht, die sich in einer Unterhaltung meist nicht findet. Mag auch die höhere Ordnung, die er aus den verbalen Bausteinen gewinnt, bezeichnend — bedeutsamer sein als jene planlose, oberflächliche Formelhaf-tigkeit, die Herr X und Herr Y in ihren Gesprächen erreichen, so handelt es sich in beiden Fällen doch um die gleichen Bausteine — um Wörter. Sogar in der visuellen Kunst besteht im Allgemeinen eine Beziehung zwischen der vom Künstler erzielten farblichen und formalen Ordnung einerseits und den Konturen und Farben der Außenwelt andererseits. Die Beziehung zwischen formalen und begrifflichen Elementen ist außerordentlich vielfältig und keines-