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Meisterwerke europäischer Malerei des XV.-XIX. Jahrhunderts aus der Sammlung Oskar Reinhart I. [antikvár]

 
Dieses Eine wenigstens hat der Krieg dem Schweizervolk geschenkt: den geistigen Besitz der Sammlung Oskar Reinhart! Zwar, in den Kreisen derKünstler undKunstfreunde weit über dieSchweiz hinaus war nichts mehr hinzuzutun - da galt die Sammlung Reinhart lángst als das, was sie ist: als eine der grofiartigsten Privatsammlungen Europas. Aber trotz aller Liberalitát ihres Besitzers sind es doch nur verháltnismáfiig wenige, denen es vergönnt war, die Sammlung Reinhart am Römerholz in Winterthur anzuschauen. Der Krieg hat auch diese...
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Dieses Eine wenigstens hat der Krieg dem Schweizervolk geschenkt: den geistigen Besitz der Sammlung Oskar Reinhart! Zwar, in den Kreisen derKünstler undKunstfreunde weit über dieSchweiz hinaus war nichts mehr hinzuzutun - da galt die Sammlung Reinhart lángst als das, was sie ist: als eine der grofiartigsten Privatsammlungen Europas. Aber trotz aller Liberalitát ihres Besitzers sind es doch nur verháltnismáfiig wenige, denen es vergönnt war, die Sammlung Reinhart am Römerholz in Winterthur anzuschauen. Der Krieg hat auch diese Unersetzlichkeiten ins Innere des Landes, in den Schutz der Landeshauptstadt getrieben, und so ist das Schweizervolk, abgeschnitten von den grófién Kunststátten rund um unser Land herum, einen ganzen Winter und einen ganzen Sommer lang nach Bern gepilgert und hat sich vom Geist der grófién Meister aus sechs Jahrhunderten berühren lassen. Und manch einer wird gespürt habén, dafi die grófién Werke der Kunst die Frucht und zugleich die Rechtfertigung der glücklichsten und der leidvollsten Augenblicke der Völker wie der Einzelnen sind. Das Erstaunlichste an der Sammlung Reinhart ist aber gar nicht so sehr dieses oder jenes einzelne Meisterwerk, sondern ist die Tatsache, dafi sich das Einzelne zu einem grofiartig sinnvollen Ganzen fügt: dafi sich die einzelnen Gipfel zu ganzen Gebirgszügen zusammenschliefien und dass es wesentliche Gebirgszüge der Kunstlandschaft Europas vom 15. bis zum 20. Jahrhundert sind! Dieses Ganzé ist jedoch nicht dadurch zustandegekommen, dafi Oskar Reinhart aus einer Kunstgeschichte einen Plan exzerpiert hátte, in dem all das verzeichnet war, was dazugehört". Oskar Reinhart hat sich vielmehr alléin vom Gefühl für künstlerische Qualitát leiten lassen. Auch das hátte allerdings noch nicht genügt, eine Sammlung Reinhart" zusammenzubringen. Zum Gefühl für künstlerisches Niveau ist hinzugetreten eine nicht minder seltene Weite des Horizonts, die ihn gröfite Gegensátze der Zeiten und der Individualitáten hat umfassen und jede Zeit, jeden Künstler und jedes Werk mit ihrem eigenen Mafistab hat messen lassen. Angesichts dieser ungewöhnlichen Objektivitát des Urteils ist es geradezu notwendig, zu betonen, dafi durch die Sammlung Reinhart doch auch die persönliche Konstante des Wesens ihres Schöpfers hindurchgeht. Wenn wir diese Konstante benennen sollen, so müfiten wir sagen, dafi Oskar Reinhart all dem vorzugsweise aufgeschlossen ist, was die europáische Kunst für das kultivierte Privathaus geschaffen hat. Die grofie öffentliche Kunst - sei es die kirchliche des Hochmittelalters, die höfische des Barocks oder die bürgerlich-reprásentative des 19. und 20. Jahrhunderts - liegt im wesentlichen jenseits ihrer Grenzen. Und was sie von kirchlicher oder von höfischer Kunst enthált, hat ebenfalls den Charakter des Privátén, Háuslichen, Stádtischen. So hebt die Sammlung Reinhart sehr sinnvoll an mit der kleinen Oberrheinischen Verkündigung um 1420: einem Bild, das als frühes Tafelbild und durch sein háusliches Kleinformat am Beginn der Verlagerung des Schwergewichts der Kunst von Kirche und Burg ins Bürgerhaus steht, das in der kultivierten Gebárdensprache des Engels und der Maria jedoch noch teilhat an der höfisch-ritterlichen Kultur des Hochmittelalters. Ihre volle Beredsamkeit gewinnt die Sammlung Reinhart in der niederlándischen, deutschen und schweizerischen Kunst des reifen und spáten 15. Jahrhunderts, das in allén diesen Lándern ausgesprochen die Züge des zünftisch-gebundenen stádtischen Gemeinwesens trágt: Geertgen (um 1460 bis um 1490), der kleinstádtisch liebliche Hollánder, und Gerard Dávid (um 1460-1523), der strengere Vlame - im Ausklang dieser Epoche Niklaus Manuel (um 1484-1530) mit dem köstlichen Frühwerk des Heiligen Eligius als Goldschmied und Lucas Cranach (1472-1553) mit dem edlen Doppelbildnis des Dr. Cuspinian und seiner Ehefrau. In ihrer starken Betonung des Menschen als Individuum greifen Cranachs Bildnisse allerdings bereits in die Hochrenaissance hinüber, die getragen ist vom freizügigeren, grofizügigeren humanistischen und kaufmánnischenStadtbürgertum. Im Werk des Quinten Metsys (1465/66-1530) undHoLBEiN desJüngeren (1497/98-1543) tritt das quattrocentistische Interesse an der Dingwelt, in welcher der Mensch nur einTeil ist, völlig zurück vor dem zentralen Interesse am Menschen als ganz auf sich gestelltem Einzelwesen. Matthias Grünewald (um 1460-1528) bildet den leidenschaftlichen Gegenpol zur humanistischen Diesseitigkeit, den Brückenpfeiler zwischen der Transzendenz des Hochmittelalters und der Gegenreformation. In den Kámpfen der Gegenreformation unterliegt das freie Stadtbürgertum der Renaissance dem aufsteigenden höfischen Absolutismus des Barocks. In Tintoretto (1518-1594) kündigt sich dieser neue,

Termékadatok

Cím: Meisterwerke europäischer Malerei des XV.-XIX. Jahrhunderts aus der Sammlung Oskar Reinhart I. [antikvár]
Kiadó: Iris Verlag
Kötés: Papírmappa
Méret: 310 mm x 400 mm
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