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Marxismus im 20. Jahrhundert
Es ist oft schwieriger, Probleme zu stellen, als sie zu lösen.
Der schnellere Rhythmus in der Entwicklung der menschlichen Beziehungen, der Kenntnisse und der Macht des Menschen über die Natur im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts stellt uns vor völlig neue Probleme.
In apokalyptischen Zeiten gibt es keine Kunst des Denkens.
Deshalb muß man, wie Dietrich Bonhoeffer 1944 schrieb, «wagen, anfechtbare Dinge zu sagen, vorausgesetzt, daß sie lebenswichtige Fragen betreffen».
Diese Überlegung ist besonders wichtig für Marxisten, gerade weil der Marxismus nicht eine beliebige Philosophie unter anderen ist, sondern die Bewußtwerdung der großen Bewegung unserer Geschichte, das prometheische Unterfangen, die Geschichte selber zu bestimmen und die Zukunft bewußt zu gestalten. Die Überzeugung, daß der Marxismus der Sinn unseres Jahrhunderts ist, legt jedem Marxisten eine persönliche Verantwortung auf.
Der Marxismus hat seine Fruchtbarkeit und seine schöpferische Wirksamkeit in manchem praktischen Bereich unter Beweis gestellt. Er hat das wirtschaftliche und soziale Leben riesiger Länder umgestaltet; er hat Millionen von Menschen, die seit Jahrtausenden geknechtet waren, den Zugang zur Bildung gebracht und ihnen ermöglicht, endlich menschenwürdige Lebensbedingungen zu erreichen. Wie konnte in der turbulenten Welt dieses 20. Jahrhunderts die marxistische Philosophie zwanzig Jahre lang in einen Dornröschenschlaf versinken?
Diese Philosophie hat mit großem Elan begonnen: Marx und Engels haben dem Menschen ein klares Bewußtsein seiner schöpferischen Fähigkeiten verliehen, der Arbeiterklasse das Programm zum Aufbau einer Gesellschaft der freien menschlichen Entfaltung gegeben und eine Methode entwickelt, die gleichzeitig eine Methode des Kampfes und eine wissenschaftliche Methode zur Errichtung dieser Gesellschaft ist.
Nachdem diese Lehre begonnen hatte, auf der ganzen Welt den Klassenkampf des Proletariats zu bestimmen und ein absolutes Ver-