V O R W O R T
Joseph Haydns Lieder stehen nicht hodi in der Schätzung der „Kenner" und die Musikliebhaber wissen kaum etwas davon, daß der Meister auch auf diesem Gebiet eine fruchtbare Tätigkeit entfaltet hat. Mancherlei widrige Umstände und Zufälle wirkten zusammen, um Wert und Bedeutung so kostbaren Kulturgutes zu verdunkeln und bis in die Gegenwart hinein vor der Welt verborgen zu halten. Als die ersten Sammlungen von Haydns Liedern*) erschienen, standen dem Verständnis für ihre besondere Art die damaligen, eine freiwillige...
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Joseph Haydns Lieder stehen nicht hodi in der Schätzung der „Kenner" und die Musikliebhaber wissen kaum etwas davon, daß der Meister auch auf diesem Gebiet eine fruchtbare Tätigkeit entfaltet hat. Mancherlei widrige Umstände und Zufälle wirkten zusammen, um Wert und Bedeutung so kostbaren Kulturgutes zu verdunkeln und bis in die Gegenwart hinein vor der Welt verborgen zu halten. Als die ersten Sammlungen von Haydns Liedern*) erschienen, standen dem Verständnis für ihre besondere Art die damaligen, eine freiwillige Askese vom Tonkünstler fordernden Anschauungen über das Wesen des Liedes im Wege. In dem Kampf um die Vorherr« sdiaft, der, seit Wort und Ton eine Verbindung eingingen, zwischen Dichter und Musiker geführt u urde, hatte gerade wieder einmal der Poet die Ober« hand über den Tonsetzer gewonnen: „Der Endzweck des Liederkomponisten", so erklärte Johann Abra» ham Peter Schulz, einer der Vorkämpfer des neuen deutsdien Liedes, sei darin zu sehen, „gute Lieder» texte allgemein bekannt zu madien Nicht seine Melodien, sondern durch sie sollen bloß die Worte des guten Liederdichters allgemein und durch den Gesang erhöhte Aufmerksamkeit erregen, leich* teren Eingang zum Gedächtnis und zum Herzen finden . . Er wird daher alle unnütze Zierereien sowohl in der Melodie, als in der Begleitung, allen Ritornellen- und Zwischenspielkram, wodurdi die Aufmerksamkeit von der Hauptsache auf Nebendinge, von den Worten auf den Musikus gezogen wird als dem Liede schädliche Qberflüssigkeiten verwerfen."
Von ganz anderer Seite griff Haydn die Liedkom» Position an. Weder als Sängerknabe von St. Stephan,
•> Bei Artaria in Wien <1781 und 1783>
noch als fürstlicher Kapellmeister in der Abgeschieden» heit von Esierhaz hatte er Gelegenheit gehabt, sidS literarisch zu bilden. Ihn trieb es, Gesangsstücke von zärtlichem oder schalkhaftem, von heiterem oder trau» rigem Charakter zu schaffen. Dazu benötigte er Gedichte mannigfachen Inhalts, die er sich von seinem Verleger und von Wiener Freunden heraussuchen ließ. Darüber hinaus interessierten ihn Werk und Persönlichkeit des Dichters nicht, ja, er gab in seinen Liedersammlungen nicht cinni.il ihre Namen an. Im Gegensatz zu seinen norddeutschen Kollegen glaubt er sich vielmehr berechtigt, von sich aus von den Gesetzen und Bedürfnissen der .Musik her Ansprüche an
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Cím: Kanzonetten und Lieder für eine Singstimme mit Klavier [antikvár]
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