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JV(is ist I Ging?
Es ist altchinesische Spruchweisheit. Die Anfänge sollen weit über 3000 Jahre zurückliegen. Es sind Sprüche - kurze Anweisungen fürs praktische Leben: 64X6, und nochmals 64, im ganzen also 448 allgemeine Ratschläge und Ratschläge im einzelnen.
Viele Leser richten Fragen an Bücher, an deren Autoren - offene Fragen, heimliche Fragen. Beim I Ging, dem Buch der Wandlungen, ist es ebenso. Man fragt das I Ging, ob es einen nützlichen Hinweis, einen Rat geben wolle. Eventuell ist man in einem Dilemma, das Ehe, Liebe, Gemeinschaft betrifft — oder Laufbahn, Beruf und Arbeit-Zusammenarbeit — oder auch weltanschauliche Thematik, also religiöse, rechtliche, ethische Probleme — oder gar Pflichtenkollisionen, aus denen sich zunächst kein Ausweg zeigt.
In solchen und ähnlichen Angelegenheiten möchte I Ging einen Rat geben, und dies völlig freiwillig. Ihm liegt nicht an mühsam säuerlicher Belehrung, im Gegenteil: I Ging ist erquickend antiautoritär und paßt auf alle denkbaren Lebenssituationen. Natürlich hat es auch Humor. So erteilte es einem offenbar recht eitlen Frager einst folgende Antwort: «Daß du deinen Bart so schön pflegst ist ja recht; aber siehst du nicht, daß deine Frau längst einem andern gehört?» Damit wollen die Wandlungen sagen: Leider gibst du dich mit Nebensächlichem ab, für das Wichtige in deinem Leben hast du den Sinn verloren. Man kann also, ja man soll eine Frage offen und klar stellen: wenn es kritisch wird, wenn es einen auf den Nägeln brennt. I Ging will den Fall geduldig anhören und prüfen.