Bővebb ismertető
VORREDE
Ich hätte die Abenteuer des Chevalier Des Grieux gleich in meine Memoiren einverleiben können. Da aber kein innerer Zusammenhang zwischen beiden besteht, glaubte ich dem Leser gefällig zu sein, wenn er jedes für sich in die Hand bekommt. Eine so lange Erzählung hätte den Faden meiner eigenen Lebensgeschichte zu lange unterbrochen. Ohne behaupten zu wollen, ein Schriftsteller „ohne Tadel" zu sein, weiß ich doch, daß eine Erzählung nicht umständlich und mit Episoden beladen sein darf, wodurch sie verwickelt und schleppend wird. Sagt doch Horaz:
Ut jam nunc dicat jam nunc debentia dici,
pleraque differat, ac praesens in tempus omittat.*
Und es bedarf nicht einmal eines so gewichtigen Namens, um diese einfache "Wahrheit festzustellen, deren Ursprung der gesunde Menschenverstand ist.
Wenn der Leser meine Lebensgeschichte einigermaßen interessant und spannend fand, so kann ich ihm versprechen, daß er von diesem Anhang nicht weniger befriedigt sein wird. Er findet in Herrn Des Grieux ein schreckliches Beispiel der Macht der Leidenschaften. Ich werde einen jungen Verblendeten zeichnen, welcher sich weigert, glücklich zu leben, um sich freiwillig ins bitterste Unglück zu stürzen. Mit allen Eigenschaften ausgestattet, die den glänzendsten Ruf erwerben können, zieht er ein ruhmloses Vagabundenleben allen Vorteilen der Natur und des Vermögens vor; er sieht sein Unglück voraus, ohne ihm ausweichen zu wollen; er erliegt seinem Schicksal, ohne nach den Mitteln zu greifen, die ihm ständig geboten , werden und dem Unglück ein Ende bereiten können; kurz, er ist ein zwiespältiger Charakter, eine Mischung Von Tugenden und Lastern, ein fortwährender Gegensatz edler Empfinduni;
* Daß sie sogleich nun sagt, was sogleich nun mußte gesagt sein, aber das meiste verschiebt und zurücklegt nahem Bedürfnis.