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Der Titel dieses Bandes—Genrebilder—verweist auf die Gattung der bildenden Kunst, vorwiegend der Malerei, die Ausschnitte aus dem alltäglichen Leben des einen oder anderen Standes darstellt. Im Mittelpunkt steht der Mensch, zumeist sind es mehrere Menschen, als Teilnehmer einer Szene, die die Sitten einer bestimmten Gesellschaftsschicht und einer bestimmten Zeit veranschaulicht. Diese Gattung der Malerei stellt also — in epischem Vortrag — Sittenbilder dar, die wir mit der in ganz Europa geläufigen Wendung Genrebilder nennen.
Die Blütezeit der Genremalerei in Ungarn fällt mit dem österreichischen Biedermeier zusammen. Es ist die Zeit zwischen 1820 und 1850 — die Zeit, die man in Ungarn die der „gemütlichen" und „hochlöblichen Ehrenrichter" (ungarisch: táblabíró) nennt, eine Phase der bürgerlichen Entwicklung, in der vom Elan der französischen Revolution nichts übrigblieb. Man wollte einfach die errungene Position in Ruhe genießen.
Die Atmosphäre, die Sitten und die Kunst dieser Zeit, zumal die Malerei, wurden zusammenfassend Biedermeierstil genannt, eben nach dem „biederen Herrn Maier" — nach einer Kombination aus „Biedermann" und „Bummelmaier", den Namen zweier deutscher Philistertypen, die Viktor von Scheffel um die Mitte des Jahrhunderts in den Münchner Fliegenden Blättern geschaffen hatte. So wurde Biedermeier gleichbedeutend mit Philister. In Ungarn war die österreichische Malerei besonders zur Zeit der Anfänge der Genremalerei das Vorbild, und weil sie sich gelöst und freundlich oder eben anekdotisch gab, blieb der Begriff des Genrebildes bis heute mit einer gelöst-freund-lichen, oft „niedlichen" Stimmung, zumeist auch mit einer vordergründigen Sorglosigkeit der friedlichen guten alten Zeiten verbunden. Diese Malerei will unterhalten und erfreuen. Der frisch arrivierte Bürger von damals wollte sich auf diesen Bildern verewigt sehen: sein Leben, seine Stadt, den Schauplatz seiner Ausflüge und Vergnügungen, selbstverständlich auch das Dorf, die ländliche