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Der Tote lag im Hinterzimmer seines Ladens unter dem Schreibtisch. Nur die Füße des kleinen, faltigen, verhutzelten Mannes ragten unter der Tischplatte hervor. Er war sehr stolz gewesen auf diesen Schreibtisch, ein Prunkstück aus Nußbaum, echte Hochrenaissance, mit dem PoHturglanz der Jahrhunderte. Jetzt war er tot, und der Mörder hatte die Leiche unter den geschnitzten Tisch geschoben. Für den alten Hubert Drexius hatte es zwei Orte gegeben, wo er einmal sterben woUte: draußen in seinem kleinen Sommerhaus mit dem verwilderten, romantischen Garten, oder hier, hinter seinem Schreibtisch, mitten zwdschen seinen geHebten Antiquitäten.
Drexius' Geschäft lag in einer stiUen Querstraße. Nur wenige kannten es, wirkliche Liebhaber alter, erlesener, mit Liebe zusammengetragener Sammlerstücke. Das Schaufenster zeigte wenig von den Schätzen, die in den zwei kleinen Räumen verborgen waren. Oft stand nur eine große chinesische Vase auf einem Ebenholzsockel hinter der ungeputzten Scheibe, oder ein paar Kupferstiche lagen auf altem schwarzem Samt, mit dem das Schaufenster ausgeschlagen war. Aber drinnen öffiiete sich dem Kenner eine Welt vergessener Schönheit. Der Glanz vergangener Epochen kehrte wieder, zwar etwas verstaubt, aber einen stiUen Zauber verbreitend. Von den Uniformen schwedischer Reiter aus dem Dreißigjährigen Krieg bis zu den winzigen, kunstvoll geschnitzten japanischen Elfenbein-Miniaturen, von Ausgrabungen in Ninive bis zum Halsschmuck einer Rokokogräfin, von der Brustspange eines Inkas mit dem Sonnengott bis zur einfachen MiUigrammwaage eines biedermeierlichen Apothekers fand der Sammler alles, was sein Herz begeistern konnte.
Er mußte nur geduldig sein, sich durch all die unordentlich herumliegenden Schätze hindurchwühlen, dann eröf&ieten sich ihm langst vergangene Welten und Schicksale.
Nun war Hubert Drexius tot. Irgend jemand, der keine Münze der Konquistadoren, sondern modernes Bargeld