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Hans Kohn - Die Welt der Slawen I. [antikvár]

Die Welt der Slawen I. [antikvár]

Hans Kohn

 
Jahrhunderte lang haben die Slawen im östlichen und südöstlichen Europa am Rande Europas gelebt. Herrschaft der Tataren im Osten, der Türken im Südosten hat die große Mehrheit des Slawentums während entscheidender Epochen von dem Verkehr mit dem übrigen Europa ferngehalten. In der Einleitung seiner »Geschidite der romanischen und germanischen Völker von 1494 bis 1514« erklärte Leopold von Ranke, daß sich die europäische Gemeinschaft auf die germanischen und romanischen Völker beschränke. Das Buch erschien 1825. Aber schon im...
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Jahrhunderte lang haben die Slawen im östlichen und südöstlichen Europa am Rande Europas gelebt. Herrschaft der Tataren im Osten, der Türken im Südosten hat die große Mehrheit des Slawentums während entscheidender Epochen von dem Verkehr mit dem übrigen Europa ferngehalten. In der Einleitung seiner »Geschidite der romanischen und germanischen Völker von 1494 bis 1514« erklärte Leopold von Ranke, daß sich die europäische Gemeinschaft auf die germanischen und romanischen Völker beschränke. Das Buch erschien 1825. Aber schon im Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts hatte Johann Gottfried von Herder in einer mit Recht berühmten Stelle im 16. Buche seiner »Ideen zur Philosophie der Geschichte der Mensdiheit« auf die Slawen nachdrücklich hingewiesen. Er sah in den »Slawischen Völkern« nicht so sehr die Mannigfaltigkeit als die Gemeinsamkeit eines Sdiicksales und faßte sie daher als »Eine Nation« auf. Das Bild, das er vom Leben und Charakter der Slawen entwarf, beruhte weniger auf geschichtlicher Erkenntnis als auf philosophischer Überzeugung. Nichtsdestoweniger verdienen seine Worte zitiert zu werden; denn sie atmen einen Geist, der der Aufklärung angehört, der aber auda heute not tut. Zwei seiner Grundsätze seien hier hervorgehoben. »Die Geschichte will Wahrheit«, schrieb Herder zu Beginn des Buches, »und eine Philosophie zur Geschichte der Menschheit wenigstens unparteiisdie Wahrheitsliebe.« Und am Schlüsse des Buches heißt es: »Nur hüte sich der Geschichtsschreiber der Menschheit, daß er keinen Völkerstamm ausschließend zu seinem Lieblinge wähle und dadurch Stämme verkleinere, denen die Lage ihrer Umstände Glück und Ruhm versagte. . Von selbst hat sich kein Volk in Europa zur Kultur erhoben.« Herder hat den kulturellen Wert der Nationalität und der Muttersprache gegenüber einem kulturellen Weltbürgertum und einer universalen Bildungsspradie vertreten. Es wäre aber falsch, Herder als den Vater des deutschen Nationalismus anzusprechen, vor allem in der Form, wie er sich später im Verhältnis zu den Slawen entwickelt hat. Für Herder war jede Nationalität ein selbständiger Träger einer allgemeinen Humanität, die in allen Nationalitäten lebt und sich entfaltet. Denn die Völker sind verschieden und einmalig, damit sie sich gegenseitig ergänzen können. Nichts schien Herder lächerlidier als der Nationalstolz. »Offenbar ist's die Anlage der Natur, daß, wie ein Mensch, so auch ein Geschlecht, also auch ein Volk von und mit den anderen lerne, bis alle endlich die schwere Lektion gefaßt haben: kein Volk sei ein von Gott einzig auserwähltes Volk der Erde; die Wahrheit müsse von allen gesucht, der Garten des gemeinsamen Besten von allen gebaut werden; am großen Schleier der Minerva

Termékadatok

Cím: Die Welt der Slawen I. [antikvár]
Szerző: Hans Kohn
Kiadó: Fischer Bücherei KG
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 110 mm x 180 mm
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