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einleitung
Wenn nicht die Philosophen Könige oder die Könige Philosophen werden, »gibt es keine Erholung von dem Übel für die Staaten«, sagt Sokrates im 5. Buch der Politeta und formuliert damit ein wesentliches Postulat für den idealen Staat, wie ihn Piaton im 4. Jh. v. Chr. in seinem Dialog über das Staatswesen konzipiert hat.
Mit dem Timaios und dem Kritias bildet dieser Dialog - der Rahmenhandlung nach - gleidisam eine Trilogie. Man trifft sich bei Kritias zum Mahle, und jeder der Gäste steuert eine Erzählung zur gemeinsamen Unterhaltung bei. Sokrates beginnt und berichtet von seinem Ausflug zum Peiraieus und der Diskussion mit Glaukon, Polemarchos, Thrasymachos, Adeimantos und Kephalos über das Staatswesen - die Politeia. Am nächsten Tag trägt dann Timaios sein naturphilosophisches System vor, und Kritias berichtet über Atlantis. Piaton verfaßte die Politeia auf dem Höhepunkt seines Schaffens, in den siebziger Jahren des 4. Jahrhunderts. Die Einteilung in 10 Bücher stammt jedoch nicht von ihm und wird dem Text in keiner Weise gerecht.
Das 1. Buch, auch als Thrasymachos bekannt, ist in »Methode, Gang der Komposition, Stil und Sprache« (Schleiermacher) ein in sich abgeschlossener Dialog, der viel Ähnlichkeit mit Piatons aporetischen Frühdialogen aufweist und den Schluß nahelegt, daß dieser Teil des Werkes entweder als Entwurf schon bedeutend früher entstanden ist oder daß Piaton bewußt den Stil seiner frühen Werke zitiert hat, wie er es auch in anderen späten Dialogen tat; denn tatsächlich beginnt Piaton mit einer Begriffsbestimmung der Gerechtigkeit, die sich dann als Leitmotiv durch das ganze Werk zieht und zum Schluß noch einmal als höchste aller Tugenden gepriesen wird, womit die eingangs vertretene machiavellistische These des Sophisten Thrasymachos, daß die Gerechtigkeit das dem Stärkeren Zuträgliche sei und daß allein die üngerechtigkeit Nutzen bringe, endgültig widerlegt ist.
Im Hauptteil entwirft Piaton das Modell seiner polis im Hinblick auf die Gerechtigkeit. Ein Gemeinwesen entsteht durch den Zusammenschluß einiger Individuen, die sich bei der Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse unterstützen, indem sie die Arbeit gemäß ihren individuellen Fähigkeiten aufteilen: Der eine sorgt für Nahrung, der andere für Wohnung, der dritte für Kleidung, und so entsteht der Stand der Gewerbetreibenden (georgoi kal demiourgoi), der bei Piaton Bauern, Handwerker und Kaufleute umfaßt. Da die Ansprüche wachsen und die Gemeinde sich vergrößern möchte, wird es zu Kriegen mit Nachbargemeinden kommen,
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