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Einleitung
Schon seit Jahren hatte ich den Wunsch, ein Werk über den Heiligen Geist zu schreiben. Dieses Verlangen bestand schon vor der charismatischen Erneuerungsbewegung, erhielt aber durch sie eine besondere Aktualität und Dringlichkeit.
Von woher spricht dieses Werk? Vom Glauben her. Auf was gestützt? Auf die Heilige Schrift, worin Gott zu uns spricht. Es sucht zu verstehen, was der Glaube festhält und lebt.
Schon viele Generationen von Gläubigen haben über den Geist nachgedacht und aus ihm gelebt. Mit ihnen zusammen - und nicht als Einzelgänger - wollen wir nach dem Glaubensverständnis suchen, aber auch im Verein mit den jetzigen Zeugen des christlichen Lebens, denn der Geist weht heute wie gestern.
Uns an die Glaubenserfahrung zu halten ist um so notwendiger, als für die Offenbarung und das Verständnis des Heiligen Geistes nicht die Brük-ken anschaulicher Ausdrücke zur Verfügung stehen. Um vom Vater und vom Sohn zu sprechen, verfügen wir über die bestimmten, eingängigen Begriffe „Vaterschaft", „Zeugung", „Sohnschaft". Von der dritten Person hingegen ist nur in allgemeinen Ausdrücken die Rede. „Geist" trifft auch auf den Vater und den Sohn zu, ebenso das Beiwort „heilig". Auch bezeichnen sie keine Person. „Hervorgehen" gilt auch vom Sohn. Es gibt keine faßbare Offenbarungsgestalt des Heiligen Geistes wie die der Person des Sohnes in Jesus und durch ihn der Person des Vaters. Man hat diesbezüglich von einer „Kenose" des Heiligen Geistes gesprochen. Dieser entleert sich gewissermaßen seiner Eigenpersönlichkeit, um ganz relativ zu sein: einerseits auf „Gott" und auf Christus bezogen, andererseits ganz auf die Menschen bezogen, in denen er das Bild des Vaters und des Sohnes verwirklichen soll. „Der Heilige Geist hat sich nicht in dem Person-Wort ,Ich' geoffenbart, wie Jahwe im AT und Jesus im NT."^ Er ist uns nicht an und
' H. Mühlen, Das Christusereignis als Tat des Heiligen Geistes, in: Mysterium Salutis III/2 (Einsiedeln 1969) 514.