Bővebb ismertető
VORWORT
Die Grundlage der vorliegenden Publikation bildete der V. Band (1971) der vom Deutschen Verlag, Leipzig herausgegebenen Faksimile-Reihe (Bach-Werke). Zur Gestaltung des Textes der Ausgabe wurden auch noch die heutzutage verbreiteten, wichtigeren Urtextausgaben herangezogen. Die mit dem iiaupttext im großen und ganzen gleichwertigen authentischen Textvarianten bringen wir in ossia. Die Ergänzungen des Herausgebers stehen in eckigen iOammern bzw. im Falle von Ligaturen sind sie gestrichelt angegeben.
Bezüglich der Ausfülirung der Ornamente gilt als allgemeine Regel, daß sie ihren Wert aus dem des Haupttons wegnehmen. Die nachstehenden Beispiele können dem Spieler nützliche Hinweise bezüglich der Lösung der verschiedenen Verzierungstypen geben:
Die vorliegende Ausgabe enthält keinerlei Vorschläge für den Fingersatz. Da dies, unserer Meinung nach, die vertikale Vorstellung des „Akkordgriffes" erweckt, kann die streng-polyphone Linienführung der Musik leicht beeinträchtigt werden; andererseits setzen wir voraus, daß der Spieler, der das hier erforderliche Niveau erreicht hat, selbst den seiner Handform und seiner musikalischen Konzeption entsprechenden Fingersatz fmden kann.
'' ÜBER DIE AUSFÜHRUNG
Das Wohltemperierte Klavier ist infolge seiner inhaltlichen Vielschichtigkeit eines der vollständigsten Werke Bachs. Man findet in diesem Werk die Welt der Choräle und Passionen ebenso wie die der Tanzsätze und Concertos des Barocks.
Beim Studium der Werke halte ich es für unerläßlich, daß hinsichtUch des Charakters und Inhalts die Zugehörigkeit der Werke festgestellt wird. Es ist daher ratsam, dieses Studium mit der Bestimmung der Kunstgattung und der Form zu beginnen. Es ist nützlich dabei die Werke in Gedanken zu instmmentieren und sich die einzelnen Stimmen als gesungene bzw. auf Instrumenten gespielte Stimmen vorzustellen. All dies kann eine große Hilfe bei der Ausgestaltung des richtigen Tempos, der Intonation und Artikulation bedeuten.
Heutzutage kann man oft der extremen Übertreibung des Tempos in beiden Richtungen - sinnlos rasch und maßlos langsam - begegnen. Man darf nicht vergessen, daß zu Bachs Zeiten das „Allegro" einen anderen Sinn gehabt hatte als in unserer Zeit: Es soll stets elastisch, pulsierend sein. Bei den langsamen Arien-Tempos soll man dagegen immer an die Sänger oder Bläser unseres vorgestellten Ensembles denken, deren atemtechnische Möglichkeiten der Wahl des Tempos Grenzen setzen. Zur Ausgestaltung des richtigen Tempos empfehle ich eine in der Praxis wohlbewährte Methode: Man spiele unterhalb des Musikmaterials eine, aus der harmonischen Struktur des Stückes geformte, rhythmische Begleitung, als spielte man die Continuostimme in einem Kammerorchester.
Die Bachsche Tonart-Symbolik, die in zahlreichen Fällen zweifellos auf verwandschaftliche Beziehungen innerhalb des Gesamtoeuvres hinweist, kann die richtige Auslegung der Werke erleichtern. Für mich z.B. erweckt das Präludium in g-Moll des I. Bandes immer die Stimmung der Johannes-Passion, das Präludium und die Fuge D-Dur des II. Bandes aber die des Weihnachtsoratoriums oder des Glorias der h-MoU-Mes&e. Denjenigen, die sich diesen Werken zuwenden, empfehle ich allgemein das Wohltemperierte Klavier nicht lediglich als einen Weg zu betrachten, der zur Musik Bachs führt, sondern, ganz im Gegenteil: Sie sollen vor allem die Bachsche Klangweit kennenlernen und erst dann, im Besitze dieser Erlebnisse und Kenntnisse in den Präludien und Fugen die Concertos, verschiedenen Tanzsätze, oder geradezu die Passionsarien suchen.
István Lantos