Bővebb ismertető
Einführung
In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, als überall in Europa mit dem Wiederaufbau begonnen wurde, tauchen im kulturellen Leben der volksdemokratischen Länder zahlreiche neue Farbenflecke auf. Einer von diesen war die Entstehung der berufsmäßigen Folkloreensembles. Der Ausbau dieser Ensembles wurde von der neuen Gesellschaftsordnung überall gefördert. Zur Herausbildung ihrer Organisationsform und ihrer künstlerischen Zielsetzungen trug vielerorts das anregende Beispiel der schon seit längerem bestehenden sowjetischen Ensembles bei. Die neuen Ensembles waren natürlich an die künstlerische Tradition ihrer Heimat und ihres Volkes gebunden, an die Überlieferungen, die das jahrhundertealte geistige Kulturgut bewahren. Das gilt natürlich auch für das Staatliche Ungarische Volksensemble, das bald sein 25jähriges Jubileum feiert: sein heutiges Antlitz ist durch die verschiedenen Werte und landschaftlichen Varianten der ungarischen Folklore und gleichzeitig durch sonstige, hauptsächlich musikalische Traditionen der ungarischen Kulturgeschichte bestimmt worden. Es lohnt, einen Blick auf diese Komponenten zu werfen, um so das Ensemble gründlicher kennenzulernen und seine Programme besser zu verstehen. Die erste große Woge des Interesses für die Volkskunst war sowohl in Ungarn als auch in zahlreichen anderen Ländern Europas mit den nationalen Kämpfen des 17. Jahrhunderts sowie mit den Befreiungsbewegungen, den fortschrittliche gesellschaftliche Veränderungen fordernden Reformbewegungen des vergangenen Jahrhunderts verknüpft. Es ist heute sozusagen allgemein bekannt, daß die Erforschung der ungarischen Volksdichtung — unter Mitwirkung von Dichtem und Reformern — gerade vor dem Freiheitskriege von 1848/49 voranging, einen Aufschwung nahm. Es ist auch kein Geheimnis, daß die volkstümliche Kunstmusik, die sog. Werbungsmusik, die die verschiedenen musikalischen Stilwirkungen miteinander verschmelzen läßt, sich ebenfalls im sozialen Medium des Reformzeitalters zu entfalten begann. Weniger bekannt ist vielleicht, daß dieselben gesellschaftlichen Veränderungen die Aufmerksamkeit auch auf die ungarische nationale Tanzkultur lenkte. Dieses Interesse stieß zwar nicht auf Persönlichkeiten wie den berühmten Zigeunerprimas János Bihari, den aus der volkstümlichen Kunstmusik häufig schöpfenden Ferenc Liszt oder den Volkslieder auch später gern sammelnden Dichter János Arany — trotzdem entsprang diesem Interesse eine wahre künstlerische Massenbewegung. Die Schüler der ersten ungarischen landwirtschaftlichen Fachschule, des Georgikons von Keszthely, veranstalteten bereits in den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts bei ihren verschiedenen Festen fast regelmäßig Hirten tanz-Vorführungen. Später verstärkte sich das Bestreben, die Nationaltänze noch mehr zu bewahren, besonders im Kreise der für die kulturelle