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BRIEFE
An Eleonore von Breuning
Wien, den 2. November 93
Verehrungs würdige Eleonore!
Meine teuerste Freundin!
Erst nachdem ich nun hier in der Hauptstadt bald ein ganzes Jahr verlebt habe, erhalten Sie von mir einen Brief, und dodi waren Sie gewiß in einem immerwährenden lebhaften Andenken bei mir. Sehr oft unterhielt ich mich mit Ihnen und Ihrer lieben Familie, nur öfters mit der Ruhe nidit, die idi dabei gewünscht hätte. Da wars, wo mir der fatale Zwist noch vorschwebte, wobei mir mein damaliges Betragen so ver-abscheuungswert vorkam. Aber es war geschehen. O, wieviel gäbe ich dafür, wäre idi imstande, meine damalige, mich so sehr entehrende, sonst meinem Charakter zuwiderlaufende Art zu handeln ganz aus meinem Leben tilgen zu können. Freilich waren mancherlei Umstände, die uns immer voneinander entfernten, und wie idi vermute, war das Zuflüstern von den wechselweise gegeneinander gehaltenen Reden von einem gegen den andern hauptsächlich dasjenige, was alle Übereinstimmung verhinderte, jeder von uns glaubte hier, er spreche mit wahrer Überzeugung, und doch war es nur angefachter Zorn, und wir waren beide getäuscht. Ihr guter und edler Charakter, meine liebe Freundin, bürgt mir zwar dafür, daß Sie mir längst vergeben haben. Aber man sagt, die aufrichtigste Reue sei diese, wo man sein Verbrechen selbst
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