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Bartel F. Sinhuber - Zu Gast im alten Wien [antikvár]
 
Wien und seine Gäste Mit den Fremden in ihrer Stadt haben die Wiener über die Jahrhunderte hinweg ihre eigenen und höchst wcchsclvollcn Erfahrungen gemacht. Denn es gab von den Kreuzzügen über die Türkeninvasion bis zur napoleoni-schcn Besetzung, vom Wiener Kongreß über die Wcltausstcilung 1873 bis zum »Anschluß« ständig Gäste und Fremde in dieser Stadt. Und nicht alle waren geladene und gern ertragene Gäste. Doch es gab auch andere, die neugierig nach Wien kamen, denen sich diese vielschichtige Stadt erschloß und denen die...
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Wien und seine Gäste Mit den Fremden in ihrer Stadt haben die Wiener über die Jahrhunderte hinweg ihre eigenen und höchst wcchsclvollcn Erfahrungen gemacht. Denn es gab von den Kreuzzügen über die Türkeninvasion bis zur napoleoni-schcn Besetzung, vom Wiener Kongreß über die Wcltausstcilung 1873 bis zum »Anschluß« ständig Gäste und Fremde in dieser Stadt. Und nicht alle waren geladene und gern ertragene Gäste. Doch es gab auch andere, die neugierig nach Wien kamen, denen sich diese vielschichtige Stadt erschloß und denen die Wiener ihr Herz auftaten. Nicht wenige von ihnen blieben für immer hier und wurden - spätestens in der nächsten Generation - selbst zu Wienern und Gastgebern in dieser Stadt. »Die Zahl der Fremden ist hier so groß«, schrieb 1728 Montesquieu aus Wien, »daß man zu gleicher Zeit Fremder und Bürger ist.« Und das sind den Wienern immer schon die liebsten Gäste gewesen, die sich hier in der Art zu Hause fühlen, daß sie gerne die Sitten, Gebräuche und Traditionen der Einheimischen annehmen. Das Raunzen, Meckern und Kritisieren, das in den Kellern und Beisln immer schon ein beliebter Volkssport war, erlauben die Wiener nur sich selbst. Wem es in ihrer herrlichen Kaiserstadt nicht gefällt, der soll halt lieber daheim bleiben, Einst lag Wien am Schnittpunkt der von Westen nach Osten verlaufenden Salzstraße und der von Norden nach Süden gehenden Bcrn-steinstraße. Die Kreuzzüge brachten erstmals in großem Ausmaß Fremde in die Stadt. Aber im Gefolge der Kreuzritter kam auch viel zwielichtiges Volk: Händler und Glücksritter, Soldaten und Marketenderinnen und vor allem viele, die sich Pilger nannten, ohne es in Wahrheit zu sein. Daher kommt der noch heule in Wien verbreitete Ausdruck »Pülcher« für einen Strolch, Hallodri und Adabei. Anno 1189 war Wien der Sammelplatz für den Zug ins Heilige Land unter Kaiser Friedrich Barbarossa. Hier wurde das Heer mit Waffen, Ausrüstung und Nahrungsmitteln versorgt. Während die adeligen Herren am Babenberger Hof, bei Edelleuten und wohlhabenden Bürgern untergebracht werden konnten, schuf man für die Händler und die zahlreichen frommen Pilger die ersten Beherbergungsbetriebe. Sie wurden vor allem in den Klöstern der Stadt eingerichtet, waren aber sicher in höchstem Maße primitiv. So nannte sich beispielsweise die vermutlich erste Herberge, die die Mönche des 1155 gegründeten Schottenstifts einrichteten, »Im Elend«. Ursprünglich bedeutete »Elend« nichts anderes als »Ausland« und war ein durchaus gängiger Begriff für die Quartiere in allen Klöstern in Mitteleuropa. Es wird deshalb wohl an der Beschaffenheit dieser Quartiere gelegen haben, daß das Wort später diesen Sinneswandel ins Negative erfuhr. Wenig später fanden die Fremden auch in Spitälern und Ordenshäusern eine Bleibe, worauf hier und da noch ein alter Gasthaasname schließen läßt. Das Hotel (später Gasthaus) »Deutsches Haus«, das bis in dieses Jahrhundert hinter dem Stephansdom existierte, ging beispielsweise auf so eine Ordensgründung zurück. Überdies stand es im Mittelalter jedem Hausbesitzer frei. Fremde bei sich aufzunehmen. Von diesem Recht machten besonders Händler, die nach Wien kamen, Gebrauch und quartier- [n der glamuolleu Zeit des Wiener Kongresses koimle man nur privat angemessen komfortabel al}steigen. Nadi den Erfahrungen der napoleonisdien Besatzung waren die Wiener nicht übermäßig interessiert an Fremden. Ein Stich aus dieser Zeit zeigt zwischen der Michaeler-kirchc (links) und dem »alten» Biirgtheater in der Milte einen Teil der Hoßnrg. Rechts gehl der Blick in die Schanßergasse.

Termékadatok

Cím: Zu Gast im alten Wien [antikvár]
Szerző: Bartel F. Sinhuber
Kiadó: Heinrich Hugendubel Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3880344469
Méret: 270 mm x 240 mm
Bartel F. Sinhuber művei
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