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SCHÖNES SCHWABENLAND / VON OTTO ROMBACHSpricht man von Wiirttemberg, vom Schwabenland, so mündet die Bewunderung der Landschaft meistens in jener Neckarseligkeit, die Hölderlin hymnisch-antikisch besang und die in Ludwig Uhlands schlichtem Volkslied Droben stehet die Kapelle aufklingt. Dem Keckar strömen námlich die meisten Wasserláufe des Landes zu, oft unter steilgestuften Weinbergen hin, und daher rührt es wohl, vom Wein und vom beschwingenden Atem, der nicht nur in der Zeit der Traubenlese von diesem Flufl-tal ausgeht , dafi iiber den Neckar mehr gesungen und gesagt wird als iiber manche andere Kostbarkeit, die irgendwo im Wiirttemberger Land versteckt liegt. Betrachtet man jedoch das Schwabenland genauer, so ist es ein Gebiet der Vielfalt und der Gegensá^e. So zeigt etwa die Schwabische Alb mit ihrem waldigen Steilhang von 200 km Lángé alle Zeichen eines urzeitlichen Mee-resbodens, Höhlenlabyrinthe und erstaunliche Verstei-nerungen. Im azurblauen Ouellenwunder des Blautopfes bei Blaubeuren scheint sich noch heute die Schöne Lau, das heitere Wasserweibchen vieler Sagen und Geschich-ten aufzuhalten. Diese Quellen, die Hungerbrunnen und die vielen vulkanischen Tuffe, die auf der Schwábischen Alb durch den Weiftjura brechen, zeugen freilich von einer anderen Epoche als die Gebirge im Westen, wo die dunklen Kuppen des Schwcírzwaldes von Urgestein, Gránit und Gneis getragen werden. So reihen sich die Gegensá^e aneinander, hier lyrisch, dort romantisch. Im Tal der jungen Donan, wo in den Zeiten der tellurischen Verwerfung Gránit und Jura auf-cinander prallten, baute man Schlösser und Burgen auf die Höhen der steilsten Klippen, Herrensi^e, wie sie auf den Bildern der mittelalterlichen Meister und der Maler der Romantik wiederkehren. In das Saftgriin der Wiesen betteten jedoch die Mönche ihre Klöster. So findet man im entlegenen Waldtal den Weg iiber schwere Bohlen-brücken mit altertümlichen Schindeldáchern, die iiber die junge Donau führen, an gewaltigen Felsen vorbei nach Beuron zu den malenden und musizierenden Benedik-tinern. Unfern liegt Zwiefalten mit seinem Duft von Rokoko im barocken Mantel, und jenes Obermarchtal, wo Marié Antoinette auf ihrer Brautfahrt nach Paris im gleichen Kloster náchtigte, in dem damals Sebastian Sailer, ein Vater der schwábischen Mundartdichtung, als Domkapitular amtierte. Dieser gottgetreue Dichter undLautenspieler liefi sogar Gottvater selbst in einem Paradies-Spiel kernfestes Bauernschwábisch reden, zu-mal sein Garten Eden an den Bodensee verlegt war. In seiner Art, die Dinge derb und deutlich auszusprechen, war er verwandt mit Abraham a Santa Clara, der aus der gleichen Landschaft stammte und der an der Donau entlang in die Welt zog, Urbild des Kapuzinerpaters aus Schillers Wallenstein .So zeigt uns jeder Blick in eine scheinbar kaum began-gene Landschaft, dafi man im Schwábischen verweilen muE, wohin man kommt. An jedem Kreuzweg, der mit Wanderzeichen lockt, eröffnen sich zugleich kulturhisto-rische und tiefe innere Bereiche. Aus ihnen drohen hier, sobald der Narr zur Fastnachtszeit die überkommene Fra^enlarve aufse^t, noch alte heidnische Dámonen zu erwachen. Umso süfier blicken uns dagegen die Linden-holzmadonnen jener kaum bekannten Meister an, die hier Schni^messer und Meifiel fiihrten, bescheidene, handwerkliche Diener ihrer Kunst. Ihr gröfíter, der Bildschnitjer Syrlin, mufi jedoch zugleich ein grofier, freier Geist gewesen sein, er hátte sonst nicht in sein Chorgestühl im Ulmer Münster auch die Gestalten der heidnischen Antiké aufgenommen. Denn wenn man diesen frommen Gotiker von dieser Tat her zu deuten unternimmt, so klingt in seiner Schau das Wirken des Albertus Magnus nach, der, aus der námlichen Umwelt stammend, das Maft des Aristoteles in das Gewissen des vom Christentum geprágten Abendlandes einschmolz. Im Dámmer jener mystisch scheinenden Epoche habén in ihrer Art auch Hartmann von Au. Suso und Walah-fried ihren Beitrag zum inneren Bild des Menschen gegeben, gleichsam in einer Morgenstunde unserer Dich-tung. Aber der Gast, dem sich solche Gedanken beson-ders am Schwábischen Meer aufdrángen, zieht viel-leicht eine Seefahrt vor, wenn er nicht ruhend und Atem schöpfend im Sand oder am Strand liegt, sich im Wasser ergö^t oder das tráchtige Obstland durchstreift, das die Ufer des Bodensees zu einem einzigen üppigen Garten macht. Indessen holen drauften die Fischer, in ihren schmalen, schwarzen Káhnen stehend, ihre Ne^e mit Felchen ein, der Forelle des Bodensees, zu der man See-wein trinken sollte, abends, abseits, wenn der perlmut-terne Spiegel in glühenden Farben schimmert. Dann, wenn die fernen Alpengrate wie graue Quarze ver-