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Pommern und Mecklenburg [antikvár]

 
KÜSTENLAND - BINNENLAND T) I /on Grenzverlauf zwischen Pommern und unserem Heimatland Mecklenburg kannten wir; im Unterricht zeichneten wir ihn nach, was eine ziemlich krause Linie ergab. Hűben wie drüben waren aufierdem Enklávén zur berücksichtigen, deren Entstehen auf frühe, geschichtlich sehr unklare Verhaltnisse zurückging. Dies alles rief das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwar nicht hervor, konnte uns aber auch nicht darin stören oder gar davon ablenken, weil das, was uns als lebendige Anschauung diente, das Gegenstandliche...
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KÜSTENLAND - BINNENLAND T) I /on Grenzverlauf zwischen Pommern und unserem Heimatland Mecklenburg kannten wir; im Unterricht zeichneten wir ihn nach, was eine ziemlich krause Linie ergab. Hűben wie drüben waren aufierdem Enklávén zur berücksichtigen, deren Entstehen auf frühe, geschichtlich sehr unklare Verhaltnisse zurückging. Dies alles rief das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwar nicht hervor, konnte uns aber auch nicht darin stören oder gar davon ablenken, weil das, was uns als lebendige Anschauung diente, das Gegenstandliche und damit Gültige für uns war. Wir fanden überall Beispiele. So war Demmin eine pommersche Grenzstadt, die wir auSerhalb der Schule aber uns zurechneten, da manche unserer Dorfjungen bei den dort in Garnison liegenden Reitern ihre Zeit abdienten. Beim Stadtchen Malchin, mit seiner Lage zwischen Waldern und weitem Wiesenland eins der Schmuckstiicke Mecklenburgs, trafen wir auf die so wunderbar ruhig dahinflieöende Peene. Dafi wir sie von hier ab bis zur Mündung in das Stettiner Haff an Pommern abgeben muSten, trennte uns nicht von unserm Flufi und verband uns mit dem östlichen Nachbarn. Und empfanden wir es nicht als eine ganz besondere Verbindung mit ihm, dafi unser Landesdichter Fritz Reuter in der pommerschen Grenzstadt Treptow sein Lebenswerk begonnen hatte? In dieser Weise trieben wir erdkundliche Wissenschaft. Wir standén mit dem einen Bein auf mecklenburgischer, mit dem andern auf pommerscher Erde und hatten bei alledem nicht immer zu sagen gewufit, wo sich jedes gerade befand. In einer Zeit vielfacher Trermung nicht nur der Völker, sondern auch der Volksteile will mir scheinen, unsere Art der Grenzlandkunde sei gar nicht so töricht gewesen. Karte und Lehrbuch bestátigten unsere Meinung von der Zusammengehörigkeit. Der quer durch Pommern verlaufende Baltische Höhenrücken strich auch durch Mecklenburg, wo er dann endigte. Dort wie hier gab es in seiner Mulde und an den Randern eine Seenplatte. Beide Lander nannten den durch seinen Reichtum an Abwechslung ausgezeichneten Teil dieser Hügelketten ihre Schweiz. Pommern wie Mecklenburg waren Anlieger der Ostsee, und beide Male wurde das Land an der Küste zum ausgesprochenen Binnenland: dort Fischer und Seefahrer, hier Ackerbauer und Viehzüchter. Auf den Wanderfahrten, wie sie der Jugend damaliger Zeit Bedürfnis und Beglückung waren, vertiefte sich unser Schulwissen. Bei aller Gleichartigkeit fanden wir die hierher gehörenden Einzelheiten in Pommern starker ausgepragt, groEartiger in den AusmaSen, packender in ihren Schönheiten. Dies betraf fast ausschlieSlich die Küste mit den dicht davor gelagerten Inseln. Mecklenburg hatte Poel in der Wismarschen Bucht, aber wie máchtig war dagegen das pommersche Rügen mit seinen zerklüfteten Kreidefelsen hoch über dem Meer bei den Wissower Klinken, dem steil in die blaue Luft aufsteigenden Königsstuhl und dem besonders von dem kleinen Fischerdorf Vitt aus so gewaltig wirkenden Kap Arkona. Welch grofiartigen Anblick bot uns vomTurm des Jagdschlosses Granitz die mit Buchen bestandene Hügellandschaft im Süden der Insel. Eindrucksvolle Bilder gab es auch an der mecklenburgischen Küste, beim Anblick des Steilufers der Stoltera, auf dem Heiligendamm bei Doberan oder in der Rostocker Heide, die in manchen Teilen mit ihren vielhundertjahrigen Eichen wie ein Urwald wirkte. Ein wahrhaft unvergeGliches Bild jedoch hatten wir bei Leba vor uns, am nordöstlichen Ende der Küste Pommerns: Wanderdünen, die es nur hier gab, eingedrungen in einen Baumbestand, den sie dann, bis zu den Kronen der Baume eingeschlossen, langsam zum Absterben gebracht und, nach ihrer Weiterwanderung, als den gespenstisch wirkenden Ausdruck einer entseelten Natúr zurückgelassen hatten - den Toten Wald bei Leba.

Termékadatok

Cím: Pommern und Mecklenburg [antikvár]
Kiadó: Umschau Verlag
Kötés: Félvászon
Méret: 210 mm x 270 mm
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