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Vorwort
„Was, schon wieder ein neues Bamberg-Buch?" So und nicht anders lautete die erste Reaktion des Autors, als bei ihm vor kurzem angefragt wurde, ob es nicht wieder an der Zeit sei, zur Feder zu greifen. Seine (zunächst allerdings spontane, nicht überdachte) Antwort: Nein, kein weiteres Bamberg-Buch von ihm. Nach drei Büchern zum gleichen Thema, der Mitarbeit an ein paar anderen und einer Fülle von Aufsätzen etc. sei sein Vorrat an Lobpreisungen für diese Stadt erschöpft. Wollte er dies negieren, geriete er mit Sicherheit in die Gefahr, längst Geschriebenes nur zu wiederholen, neu zu verpacken. Gerade nach dem überaus erfolgreichen Buch „Bamberg, Traumstadt der Deutschen" wolle und könne er Bamberg keine weitere Eloge widmen, zumal er sich so kurze Zeit nach dieser Veröffentlichung außerstande sehe, der Stadt neue Seiten abzugewinnen. Es sei rein gar nichts passiert, was die Rolle der Stadt oder ihr Selbstverständnis geändert haben könnte. Wenn er überhaupt noch ein Buch über Bamberg schreiben sollte, dann müßte es ein ganz anderes sein als das letzte, darauf habe schließlich auch der Leser Anspruch.
Da war das Stichwort: ein anderes Bamberg-Buch. Aber welches? Welches fehlt? Der Zufall half. Bei einem beruflichen Anlaß wurde dem Autor dankbar bedeutet, daß sein vor etwa 20 Jahren für das Städtische Fremdenverkehrsamt und den von ihm herausgegebenen Stadtprospekt geschriebener Stadtgang „In Stunden durch ein Jahrtausend" mittlerweile mehr als einer halben Million Besuchern Bambergs eine hochwillkommene Orientierungshilfe für ihr Bemühen gewesen sei, mit dieser Stadt bekanntzuwerden. Warum also, sagte sich der Autor, schreibst du keine „große" Stadtführung, zumal es dir selbst doch schiere Freude bereitet. Freunde oder Fremde durch Bamberg zu führen.
Der Gedanke fraß sich weiter. Er verdichtete sich zu der Vorstellung, daß es dann allerdings eine besondere Stadtführung sein müßte, kein bloßes Aneinanderreihen von Besichtigungspunkten, keine reine Sammlung von Daten, Fakten und Hinweisen. Wenn schon, dann müßte die Führung auch eine Auseinandersetzung mit der Stadt sein, die es vorzustellen gelte, und auch ein Gespräch mit jenen, die sie kennenlernen wollten. Aber gibt es dafür genügend Leser?
Die Antwort: Man sollte es versuchen, zumal es absolut denkbar wäre, daß auch der Bamberger von einem solchen Buch profitieren könnte, weil es ihm Handhabe wäre, selbst andere zu führen, was jeder Bamberger irgendwann einmal muß. Und was jene potentielle Leser betreffe, die Bamberg bereits kennen und gerade deshalb immer wieder an Bamberg erinnert werden möchten - ja, wie könnte man sie besser bedienen als mit ihnen gemeinsam im Geiste durch die Stadt zu wandern.
Der Autor wurde sich immer sicherer. Wenn es schließlich gelänge, der „Stadtführung" (oder wie das Buch auch sonst heißen mag) eine gewisse Handlung zu unterlegen, es also lesbarer zu machen, als es Reiseführer und mit ihnen Vergleichbares normalerweise sind, und das Wort gar synchron von Bildern begleitet werden würde, ja dann wäre es doch gelacht, wenn ein solches Buch nicht seinen Weg zum Leser fände, zumal allem Anschein nach der Bedarf an Bamberg-Büchern noch lange nicht gedeckt ist.
Der Autor überlegte sich im folgenden sehr lange, wirklich lange, wie man als „Stadtführer" eine Stadt wie Bamberg am besten erschheßen kann. Soll man sich ihr von außen her nähern und, sich stetig steigernd, erst zum Schluß zum Wesentlichen kommen, zu den Höhepunkten, dem Kern; oder soll man lieber gleich mit beiden Beinen in medias res springen, dem Domreiter in den Sattel hopsen und aus seiner Sicht Umschau halten? Der Autor winkte ab. Beiden Vorschlägen wäre die Langeweile eingeboren, dem ersten in der ersten, dem zweiten in der zweiten Hälfte. Bliebe das pädagogische Prinzip der Echternacher Springprozession: drei Schritte vor, zwei Schritte zurück, drei Schritte vor; es gäbe Gelegenheit, immer wieder zu wiederholen, zu rekapitulieren, bereits Mitgeteiltes zu festigen. Abgelehnt! Eine solche Stadtführung hieße, den Geführten zu unterschätzen, ihn für dumm zu verkaufen.