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PROLOG Andau 1956
»über die unsicheren Planken der Brücke von Andau floh die Seele eines Volkes.« James A. Michener
»In der modernen Tragödie geht nicht der Held zugrunde, sondern der Chor.«
Brodsky
»SOS! SOS! Dies ist unser letzter Hilferuf aus Budapest. Die Sowjet-Armee ist in die Stadt eingedrungen. Wir kämpfen bis zum Ende! Massenverhaftungen haben begonnen. Mit bloßen Händen ist Widerstand unmöglich. Helft! Helft! Ungarische Schriftsteller und Denker appellieren an alle westlichen Schrift-steller und Intellektuellen. Unterstützt unseren Kampf für die Freiheit. Helft! SOS! Gott sei mit Euch und mit uns!« ^
Erschüttert saßen wir da und hörten diese Botschaft wie von einem sinkenden Schiff, ausgestrahlt von einem freien Sender ir- ^
gendwo im belagerten Budapest. Nach ihrer spontanen Erhebung und fünf Tagen der Freiheit - wie im Taumel - hatten die ,; Ungarn ihr Militärbündnis mit den Sowjets aufgekündigt und t sich an die Vereinten Nationen um Hilfe gewandt. Die Sowjet- i Armee marschierte ins Land, zögerte aber noch zu handeln. Am \ 4. November 1956 drangen die westlichen Alliierten in Suez ein 'a und gaben damit ein Musterbeispiel der Mißachtung von Anordnungen der Vereinten Nationen. Der Zeitpunkt war katastrophal, nichts hätte für die Sowjets günstiger ausfallen können: Sie schlugen sofort zu. Zu Hause hatten sie schon viele Aufstände wie den ungarischen unterdrückt - es war für den NKWD eine reine Routineangelegenheit.